Cani Sciolti

Hier soll kurz das Buch von Domenico Mungo mit den schönen Namen „Cani Sciolti“ vorgestellt werden. Im der weiten und offenen Szene der Fußball-Fan Bücher mit all ihren Facetten, stellt „Cani Sciolti“ doch einen Meilenstein dar. Zum Einen wird hier doch klar wie sehr sich dein Fankulturen in Deutschland, England und Italien unterscheiden und zum Andern erklärt „Cani Sciolti“ auch sehr gut welche Probleme Italien nicht nur mit den Ultras sondern als Land an sich hat. Mungo war einer der großen Figuren in der Curva Viesole, der Fankurve der Fiorentina (AC Florenz). Ultra in Italien zu sein hat nichts damit zu tun, in T-Shirt der Gruppe bunte Zettel im Stadion auszulegen. Es bedeutet jedes Spiel körperliche Auseinandersetzung, gegen „die Anderen“ und die Bul…, die Polizei. Mit Messern, Fahrradketten und alles was dazu gehört.

Doch selbst das ist einigen zu wenig, zu wenig anarchisch, zu konform. Mungo beschreibt die Streunende Köter [Cani Sciolti]: Ein Roman über zwei Jahrzehnte italienische Ultrakultur, Freundschaften, Kämpfe und Drogen“ title=“Streunende Köter“>“Cani Sciolti“(Seite 118): „Normalerweise fuhren wir im Bus oder Zug mit dem Rest der Gruppe (jedenfalls solange man noch Sonderzüge einsetzte, also bevor die aus Salerno sich auf dem Rückweg aus Piacenza selbst angezündet haben), aber an dem Tag hatten wir keine Lust, mit den anderen in einem Bus zu fahren, der nach Fürzen, Füßen, Schweiß, einer Kiste Joints, Besenkammer und Ausdünstungen vom letzten Vollrausch stinkt. Wir hatten echt keine Bock, uns dieses ganze choreographische Ding von Ultras auf Auswärtsfahrt reinzunuckeln, geschmückt mit dem obligatorischen Streit mit irgendeinem Drogenopfer im Adrenalinflash als Zugabe, der dir solange auf den Sack geht, bis du die Geduld verlierst und du ihm den Arsch schon im Bus aufreißen willst. Dreihundertkilometerhinfahrtplusdreihundertkilometerrückfahrt lang Kurvenhymnen singen. Uns mit Dutzenden Pornofilmchen auf dem Busmonitor den Schwanz aufstellen. Uns schon zwei Stunden vor dem Spiel unter Bullenbewachung auf irgendeinem Feld am Stadtrand von Bergamo die Eier plattzusitzen um abzuwarten, bis die Bauern alle im Stadion sind, und sicherzustellen, das wir erst nach Anpfiff ins Stadion kommen, damit es keine Kontakt unter den Durchgedrehten gibt.
Nein, diesmal wollten wir das Ding auf eigene Faust durchziehen, wie in den alten Zeiten, drauf scheißen und den Idioten direkt ins Gesicht sehen, durch ihre Scheiß-Stadt wanden, uns einen Kaffee in der Bar unter der Kurve genehmigen und dabei zuhören, wie sie sich wie brünftige Tiere aufgeilen, bevor sie uns suchen.
Wir hatten lust uns alle möglichen Drogen reinzupfeiffen und den Trip vom Vorabend einfach zu verlängern, als ob wir Tanzen gehen würden oder irgendeine Schlampe zum ficken anmachen…jedes falsche Wort, jeder falsche Blick, jedes minimal auffällige Verhalten würde nur eine bedeuten… auf den Sack. Das war aber genau was wir wollten.“

Cani Sciolti erinnert in Sprache und Kraft an „I Furiosi“ von Nanni Balestrini. Beide Bücher sind jedem Casual oder Ultra ans Herz zu legen. Read, learn, stay Casual….



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*