Die 1970er Jahre als Beginn der Fankultur

Die Bundesliga: Ihre Geschichte wurde durch ihre großen Mannschaften bestimmt. Den Bayern, Gladbach, dem FC, der Eintracht, der VFB und der HSV oder Borussia BVB. In Abstiegskampf und Meisterschaften, bei ihren Europapokal Siegen, prägten auch große Stars die deutsche Liga.

Aber die Bundesliga lebte und lebt auch immer von ihren Fans. Anfangs im Mantel und Hut gab es schon Anfang der 1960er Jahre Feuerwerk, Handgemenge und Fahnenmeere.
Die einzelnen Fans kannten sich durch ihr Umfeld aus „Jugendcliquen“, Nachbarschaften oder Freundeskreisen. Zu dieser Zeit gab es kaum konzertierte Anfeuerungsrufe, und spätestens ab dem Anpfiff des Spiels herrschte relative Ruhe. Nach Toren wurde gejubelt, Spieler wurden ausgebuht, Gesänge waren aber unbekannt. Das Bild des Stadions war in den 1960er Jahren
nur wenig durch Fahnen oder andere Ausdrucksformen der Fans geprägt.
Anfang der 1970er Jahre entstanden aus den lockeren Fangruppen erste Fanclubs, also eine Subkultur, die sich im und außerhalb des Stadions organisierte, und zwar „nach englischem Vorbild“. Durch die Spiele im neuen Europapokal hatte man sich den Stil der Englischen Fans, ihre Gesänge und sonstiges Verhalten abgeschaut. Die Fanclubs widmeten sich zunächst der Unterstützung der Mannschaft und organisierten Auswärtsfahrten. Die deutschen Fans in der Kurve bekamen mit das zum Beispiel der FC Liverpool mit 50 000 Anhängern nach St.Etienne.


Das gemeinsame Singen und Skandieren der Fans ist aus England adaptiert worden, denn Fernsehaufzeichnungen zeigen deutlich, das zu dieser Zeit weder gesungen noch konzertiert angefeuert wurde. Auch der Schal zu Bekundung der Loyalität zum eigenen Verein ist erst in den 1970er Jahren von der Mehrheit der Zuschauer getragen worden.
Die offensichtliche Beeinflussung der Fußballfans in der Bundesliga zeigte sich auch in der Namensgebung der entstehenden Fanclubs. Mitte der 1970er Jahre die hießen die neuen Fanclubs City, Forrest, United, Black & White und Rangers. Auch die Britische Fahne demonstrierte die Nähe zur englischen Subkultur. Durch sie zeigte man das man „hart drauf war“.
„Abgekuckt haben wir uns das vom ZDF [Zweites Deutsches Fernsehen], dort lief die berühmte Sendung Sport aus aller Welt. Da kamen immer England-Berichte. Da ham die meisten Leute ihre Inspiration herbekommen. Das ZDF hat einen enormen Schub erzeugt.“ Frank Willmann

Kutten Fans des Hamburger SV

Kutten Fans des Hamburger SV

Die Fans, die sich hinter den Toren aufhielten, versuchten durch teilweise selbst hergestellte Devotionalien ihre Zugehörigkeit zu ihrem Verein dokumentieren. Aus Großbritannien „entlieh“ man sich den „Fanschal“ in den Farben des Vereins, meistens noch von Mutti oder Omi selbst gestrickt. Die deutschen Fußballfans erfand etwas neues um sich zu unterscheiden, Westen aus Jeansstoff, die sogenannten „Kutten“. Diese waren mit dem gestickten Wappen des eigenen Vereins auf dem Rücken versehen. Als Vorbild diente hier die Mode der Motorradgangs und Rockergruppen. Über dem Wappen prangte meist ein Aufnäher des Bereiches, in dem sich die Fans des jeweiligen Vereins aufhielten. Die Kutte war geboren und sie prägte die deutschen Stadien für über 10 Jahre.

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